Künstler von A bis Z:

Harriet Ellen Siderovna Rathlef-Keilmann, von

Name: Rathlef-Keilmann, von
Vorname: Harriet Ellen Siderovna
Lebensdaten: 1886 - 1933
Zu Leben und Werk: Harriet Keilmann wuchs in Riga, zu jener Zeit Hauptstadt des russischen Gouvernements Livland, in einer assimilierten, großbürgerlichen deutsch akkulturierten jüdischen Familie auf. Ihre Eltern Isidor ben Philipp Keilmann und Eugenie bat Jakobovna, geb. Kantorowitz waren seit 1881 in Riga als Zahnärzte tätig. Beide wurden im Herbst 1941 im Ghetto Riga von den Nationalsozialisten und ihren lettischen Helfern ermordet. Harriet hatte noch zwei jüngere Brüder: den Kaufmann Paul Otto Sidorowitsch Keilmann (geb. 1888 in Riga, verst. April 1940 in Riga) und den Kinderarzt Nikolai Alexander Sidorowitsch Keilmann (* 1896 in Riga, von den Nationalsozialisten am 30. März 1942 im KZ Stutthof bei Danzig ermordet). Ihr Vater Isidor ließ sich auf Grund der antijüdischen Repressionen im russischen Kaiserreich heimlich 1894 in der deutsch-reformierten Burgkirche in Königsberg i. Pr. taufen. Seine Frau Eugenie und die beiden Kinder Harriet und Paul wurden im Jahr 1896 getauft. Die Familie konnte sich mit den Taufscheinen bei den russischen Behörden in Riga in das Verzeichnis der deutschen Einwohner eintragen lassen. Nach ihrer Schulausbildung an der Reinschen Höheren Töchterschule und Besuchen der Jung- Stilling- schen Zeichenschule in Riga, absolvierte Harriet Keilmann in Riga bei dem Bildhauer August Volz eine Bildhauerlehre. Bildhauerstudien in Berlin auf der Lewin-Funcke-Schule und bei August Gaul sowie in München auf der Debschitz-Schule folgten. Nach ihrer Heirat 1908 in Riga mit dem deutsch-baltischen Agronomen und Saatgutforscher Harald Carlos Woldemar von Rathlef folgte ein Leben als Gutsfrau auf dem kleinen Saatversuchsgut Nömmiko bei Dorpat in Nordlivland. Dort arbeitete sie auch noch als Bildhauerin und stellte zwischen 1908 und 1914 einige ihrer Skulpturen und Tierreliefs in Riga aus. Zwischen 1909 und 1914 wurden ihre vier Kinder Monika, Marianne (verstorben am 24. Oktober 2008 in Santiago de Chile, Rep. Chile), Liselotte (verstorben 1998 in Barcelona, Spanien) und Karl-Ludwig Nikolai (genannt Ulf, verst. 1946) geboren. Auf Grund der Bürgerkriegswirren erfolgte im Dezember 1918 die Flucht der Familie nach Deutschland. Dort ging Harriet an die Großherzogliche Kunsthochschule Weimar in die Klasse des deutsch-jüdischen Bildhauers Professor Richard Engelmann. Das Staatliche Bauhaus in Weimar übernahm sie dann als Freischülerin. 1921 ließ sie sich von Ihrem Mann scheiden, der die Kunstgewerblerin und van der Velde-Schülerin Charlotte Veit ehelichte. Als Meisterschülerin des Bildhauers Richard Engelmann verließ sie 1922 die Hochschule für Bildende Kunst Weimar, wo sie schon 1919 sich an Ausstellungen beteiligte und ging für kurze Zeit nach Hagen, wo sie zusammen mit Ise Bienert im Folkwang-Museum ihre expressionistischen Werke ausstellte. Zahlreiche Ausstellungen im Rheinland folgten (Mitglied im Künstlerbund "Das Junge Rheinland"). Der Umzug nach Berlin im Jahre 1924 erfolgte in der Hoffnung, als bildende Künstlerin in der pulsierenden Reichshauptstadt finanziell besser aus zukommen. Die erste Ausstellung im Kunst- und Buchheim "K. und E. Twardy" und auf der Jury- freien Kunstausstellung fand noch im gleichen Jahr statt. 1925 stellte sie ihre Werke im Graphischen Kabinett Maria Kunde im Bieberhaus in Hamburg aus. Ihr künstlerisches Schaffen wurde durch die dreijährige Pflege der angeblichen Zarewna Anastasia Nikolajewna Romanowa (alias Franziska Schanzkowska, alias Anna Anderson) unterbrochen. Zwischen 1926 und 1933 konnte Harriet von Rathlef-Keilmann ihre Holz-, Terrakotta- und Bronzeplastiken, Holzreliefs und Graphiken auf den Ausstellungen der Großen Berliner Kunstausstellung, der Juryfreien Ausstellung, Ausstellung der Preußischen Akademie der Künste, des Vereins der Berliner Künstlerinnen und im Haus des Hermann Reckendorf-Verlag in Berlin, Hedemannstraße zeigen. Im Februar 1933 zeigte sie, in einer Gemeinschaftsausstellung mit Gertrud Koref-Stemmler, ihre expressionistischen Werke in der Galerie Nierendorf in Berlin Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Harriet auf Grund ihrer jüdischen Herkunft aus dem Vorstand des Vereins der Berliner Künstlerinnen ausgeschlossen, wo sie Mitglied des Vorstands war. Sie bereitete sich auf ihre Emigration nach Paris vor. Ein Blinddarmdurchbruch durchkreuzte ihre Pläne. Am 1. Mai 1933 verstarb sie im Westend-Krankenhaus, nachdem eine befreundete Ärztin noch versucht hatte, in ihrem Schöneberger Atelier (An der Apostel-Kirche 14) per Not-OP ihr Leben zu retten. Ihre Werke wurden während der Nazizeit als "entartet" bezeichnet und aus öffentlichen Sammlungen, z.B. dem Kunstgewerbemuseum in Kaiserslautern entfernt. www.lostart.de
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