Künstler von A bis Z:

John Höxter

Name: Höxter
Vorname: John
Lebensdaten: 1884-1938
Zu Leben und Werk: John Höxter war ein Maler und Schriftsteller des Expressionismus, Dadaismus und der Bohème der Berliner Kunstszene Anfang des 20. Jahrhunderts. Zumeist mittel- und obdachlos, lebte er vom Anekdotenerzählen und Schnorren rund um die Berliner Gedächtniskirche bis zu seinem Freitod 1938. Ein trister Herbsttag war es, als er sich im November vor über siebzig Jahren an einem Baum des Grunewalds aufknüpfte. Was auch sollte John Höxter anderes tun, denn sein Leben war ihm seit langem abhanden gekommen. In den Zehner und Zwanziger Jahren war er der berühmteste Kaffeehausgänger Berlins gewesen, doch nach 1933 durfte er als Jude seine Ersatzheimat der Cafés nicht mehr betreten, und so strich er nur noch an ihren Fenstern vorüber, bevor er in einem Kellerloch in der Nürnbergerstraße verschwand, in dem er hauste. Um seine Herkunft rankte sich die Legende, verlorener Sohn eines Rabbiners zu sein, doch John Höxter war, 1884 in Hannover geboren, bürgerlicher Kaufmannssohn, der indes davon träumte Dichter und Maler zu werden. 1905 brachte sein Vater ihn von Düsseldorf zu dem damals berühmten Leo von König an die Berliner Kunstgewerbeschule. Doch das Studium gab Höxter bald auf und malte ohne das Handwerk des Gewerbes. Am liebsten nämlich trieb er sich herum, so dass Else Lasker-Schüler in ihrem Roman "Mein Herz" ihn und sich selbst Beduinen der Großstadt nannte, deren einzige temporäre Heimat das Kaffeehaus war. Höxter war der Inbegriff des Bohémiens, nannte daher seinen Gedichtband auch "Apropoésies Bohémiennes". 1927 erschienen, war der schon ein Abgesang auf die große Zeit der Bohème wie zwei Jahre zuvor das Buch "So lebten wir". In ihm erinnerte er in Wort und Zeichnung an Glanz und Elend einer Daseinsform, die zur Neuen Sachlichkeit, die das Lebensgefühl nun prägte, nicht mehr passte, wie Höxter auch selbst, der ihr aber nicht entsagen konnte. Er war ein Übriggebliebener einer vergangenen Epoche. Die Blütezeit des Berliner Bohémiens waren die Jahre vor und nach dem ersten Weltkrieg, als Aufbruch in allen Künsten war, ein Lebensrausch die Künstler erfasste. Und dieser fand vor allem in den Kaffeehäusern statt. Bei viel Zigarettenqualm, Kaffees und Cognac dichtete man um die Wette, redete sich die Köpfe heiß, stritt sich, schlug sich gelegentlich auch, und wankte dann, wenn das Café nach Mitternacht schloss, allein oder zu zweit in eine schlecht geheizte, oft lichtlose Bohémienbude. Höxter zeichnete, schrieb Glossen und Gedichte und war Mitarbeiter der von Franz Pfempfert herausgegebenen Zeitgeist- Zeitschrift "Aktion". Der Krieg sah Höxter in einer Kompanie von "Unsicheren Elementen", doch er war ein solcher Risikofaktor, dass man ihn schnell wieder nach Hause schickte, das heißt ins Kaffeehaus, in dem aber nun die Männer fehlten, was ja auch Else Lasker-Schüler bedauerte. 1919 gründete Höxter die DADA-Zeitschrift "Blutiger Ernst", die bald von George Grosz und Carl Einstein übernommen wurde, denn ernsthafte, stetige Arbeit war Höxters Sache nicht. "Er war ein dadaisierender Vagabund" erkannte Walter Mehring. Im "Café des Westens", im Josty, im Café Größenwahn und später im Romanischen Café gehörte Höxter zum beweglichen Inventar. Die Stammgäste schätzten seine geistreichen Bonmots, und da er kein Geld verdiente, gab ein jeder ihm einen festen täglichen Satz, und wer verreiste, gar im voraus. "Er ist Berlins populärster Schnorrer", so Kurt Hiller. Doch als das Bohème-Leben nicht mehr angesagt war, stellte Erich Mühsam fest: "Höxter war der Gestalt gewordene Schatten der Bohème. Er geisterte aus Erwerbsgründen Abend für Abend als ein Gruß vergangener Zeiten durch das Industriegebiet der Intelligenz an der Gedächtniskirche." Schon vor 1933 kündigte sich also sein tragisches Schicksal eines Ausgestoßenen an. Wie erst muss von nun an sein Leben ausgesehen haben, da er nicht einmal mehr seine einzige Heimat, das Kaffeehaus, betreten durfte. Wir wissen davon nichts, kennen nur den Brief, den er wenige Tage nach der Pogromnacht seinem Lehrer Leo von König kurz vor dem Freitod geschrieben hat: "Ich bin noch ein ungeübter Selbstmörder. Ehe ein neuer Tag kommt, werden noch schlimmere Dinge geschehen." Diese musste er nicht mehr erleben, er hätte sie nicht überlebt. Seine Arbeiten sind in allen einschlägigen Nachschlagewerken enthalten und erzielen bei Auktionen Werte im 4-stelligen Euro Bereich.
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