Künstler von A bis Z:

Andreas Stelzer

Name: Stelzer
Vorname: Andreas
Lebensdaten: 1954-2007 Chemnitz
Zu Leben und Werk: Andreas Martin Stelzer lebte von 1954-2007. Begonnen hat er mit der einfachen Zeichnung und geendet - Bleistift auf Papier, schwarzer Filzstift auf Papier. Sie war die Wortführerin seiner Kunst. Über sie nahm seine Entwicklung ihre entscheidendenden Schritte. Relativ spät beginnend, die ersten überlieferten Arbeiten datieren aus dem Jahr '78, da ist Andreas Stelzer bereits 22 Jahre alt, zeichnet fleißig und genügsam im Zirkel bei Axel Wunsch. In kleinen Formaten entstehen Landschaften und Porträts, zumeist er selbst, figürliche Szenen, Studien von Musikinstrumenten, Kaffeemühlen, Kannen...

Nebenbei sucht und findet er Kontakt zur Chemnitzer Kunstszene, schaut Kunst und liest, was ihm in die Finger gerät, bevorzugt die Russen, aber vor allem den vorbehaltlosen freien Geist suchend. Mit einem Schlag wird in seiner Kunst alles anders. 1983. Hinter ihm liegt ein Sprung aus dem Fenster und eine lange klinische Behandlung. Von jetzt an ist die Kunst zugleich seine stärkste Waffe im täglichen Kampf mit der schweren psychischen Krankheit. Ende der 80er Jahre tritt kraftvoll erstmals auch die Farbe hinzu. Mit ihr kommt die großzügige Fläche hinein, die ihm in der Zeichnung durch Verdichtung der Lineaturen zunehmend abhanden gekommen war. Parallel entstehen in den folgenden zehn Jahren immer wieder Buntstiftzeichnungen märchenhafter Fabelwesen voller Witz. Zunächst wohl für den eigenen Sohn gedacht, erschließt er sich dabei jedoch eine Welt präziser Formen und Ornamente, weit entfernt vom Duktus der anderen großen Zeichnungen, langsam im Entstehen. Tauchen später in den großen Zeichnungen Ornamente auf, sind sie Anzeichen eines Bedürfnisses nach Beruhigung und Festigkeit im fliegenden Rausch der Produktion. Ohne Rausch geht wenig. Er gehört zu den kulturellen Produktionsstandards seit der Erfindung des Rock 'n' Roll und Alkohol war die wichtigste Droge der künstlerischen Outlaws in der DDR. Auch Andreas Stelzer wollte dazugehören und Chemnitz hatte seine Szene. Das Machen steht im Vordergrund, nicht das Kommunizieren und Verstanden werden. Die Form tritt hinter den Prozess zurück. Raserei, um zu vergessen. Anfang der 90er Jahre kristallisiert sich die typische Stelzersche Bildfiguration heraus. Schnelle Striche lassen die körperlichen Grundelemente erkennen, oft genug aber rückt die Assoziation ins Animalische. Stelzers Stärke ist die Freiheit, sich von den Zufälligkeiten des Arbeitsprozesses führen zu lassen. Immer wieder entstehen bisher nicht gesehene Formen, Gesten, Farbklänge, Haltungen. Sein Inneres erscheint unmittelbar auf dem Blatt. In diesen Bildern bezwingt er wohl seine tägliche Lebensangst und Unzufriedenheit, bindet die Schmerzen und Sehnsüchte in den Figuren fest. Phasen der Müdigkeit wechseln mit Phasen besonderer Aktivität. Zwischen 1995 und 2001 erreicht Stelzer mit der Farbe die Dichte, die er sich Ende der 80er in den schwarzweißen Zeichnungen erarbeitet hatte. In den letzten Jahren läßt die Spannkraft deutlich nach. Die ungute Mischung von Krankheit, beruhigenden Medikamenten und aufputschendem Alkohol haben Körper und Geist verschlissen. Er beginnt, sich auf lange Wanderungen zu begeben und unmittelbar vor der Natur zu zeichnen. Bäume, Häuser und Licht übernehmen jetzt die Aufgaben der Figuren. Sie übernehmen, von ihm zu sprechen.

Quelle: Neue Sächsische Galerie - Museum für zeitgenössische Kunst
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Vorschau-Bild Stelzer, Andreas
Figürliches. sign. Zeichnung.
Ausrufpreis/Gebot: 200,00 ¤
Losnr.: 76167