Künstler von A bis Z:

Johannes Wüsten

Name: Wüsten
Vorname: Johannes
Lebensdaten: 1896 - 1943
Zu Leben und Werk: Am 4. Oktober 1896 kam Johannes Wüstens in Heideberg zur Welt. Als Sohn eines Predigers wuchs er in einem besonders religiös orthodoxen Umfeld auf, welches er jedoch ablehnte. Den Gegenpol zu seinem "fromm(en) und staatsbejahend konservativ(en)" Vater und seinen beiden Brüdern bildeten seine geliebte Mutter und seine Schwester Elisabeth. Das Gymnasium brach Wüsten mit 14 Jahren ab. Auf Wunsch seines Vaters hätte er eigentlich auf die Volksschule gehen sollen, aber, "weil mein Vater den Volksschulrektor nicht antraf und dies für einen Fingerzeig Gottes hielt", kam es nicht dazu. Der Schulabbruch wurde insbesondere von Wüstens Vater, seinen Lehrern und Mitschülern und dann auch von Johannes Wüsten selbst als Beginn des völligen Versagens im Leben gewertet, und er brauchte lange, um sich von diesem Selbstzweifel zu befreien. Nach dem Schulabbruch und missglückter Bewerbung bei der Dresdner Kunstgewerbeschule begann er eine Tischlerlehre, die ihm "so gut (bekam), daß ich nach einem Jahr wegen starker Gefährdung der Lunge aus der Werkstatt wieder verschwand". Durch die Predigerarbeit seines Vaters bekam Wüsten Kontakt zu Otto Modersohn, dem er 1914 eine Mappe zur Begutachtung schickte und der ihn daraufhin als Schüler annahm. Der Erste Weltkrieg wurde auch für Wüsten zu einem künstlerischen Schlüsselerlebnis. Nach den entsetzlichen Erlebnissen des Krieges und zwei schweren Verwundungen als Soldat wandelte sich seine künstlerische Weltsicht: Das schroffe, direkte und verletzend Offene des Expressionismus schien ihm für die kommenden Zeiten als Charakterisierung einer "aus der Bahn geworfenen" Gesellschaft angebrachter und ausdrucksstärker als ein harmonisierender spätimpressionistischer Malstil. In der "Hamburgischen Sezession", die Johannes Wüsten mitbegründete, fand er gleich gesinnte Künstler und schuf in dieser Zeit zahlreiche expressionistische Bilder, Zeichnungen und Holzschnitte. Lange blieb Wüsten aber nicht in Hamburg. Nach zwei gescheiterten Kurzehen und Aufenthalten in Amsterdam und Brieg kehrte er 1922 nach Görlitz zurück. Außerdem änderte Johannes Wüsten auch seine künstlerische Richtung und wandte sich verstärkt der Neue Sachlichkeit und dem Verismus zu. Im Zentrum dieser beiden Kunstrichtungen stand eine sachliche Analyse von Personen und Beziehungen. Eine minimalistische Strichführung war das besondere stilistische Kennzeichen dieser Kunstrichtung. Das Streben nach Wahrheit und aufrichtiger Darstellungsweise führte häufig zu einer aggressiven und als schockierend empfundenen Gesellschaftskritik. Wüstens Bilder waren, wie Tucholsky treffend in seiner Rezension der "Blutproben" bemerkte, "böse aus enttäuschter Güte". Mit dieser Einstellung hatte sich Wüsten für einen schweren Lebensweg als Künstler und Mensch entschieden. Seit Wüsten 1922 wieder nach Görlitz zurückgekehrt war, zeigte er auch die ganze Bandbreite seiner künstlerischen Kreativität. Er zeichnete, malte und war schriftstellerisch tätig. Um sein geringes Einkommen aufzubessern, arbeitete der Künstler auch als freier Mitarbeiter für den Neuen Görlitzer Anzeiger. Zusammen mit seiner dritten Frau Dorothea, mit der er eine glückliche Ehe führte, versuchte er sich auch in der Töpferei und Fayence. Anfang 1928 entdeckte Wüsten für sich die Kupferstecherei, die nach ihrer Blütezeit im 15. bis 18. Jahrhundert ziemlich in Vergessenheit geraten war. Eines seiner nicht zu unterschätzenden Verdienste war es, die Kupferstecherei als ausdrucksstarkes Kunstmedium erkannt und erneut in die Kunst eingeführt zu haben. Während Wüsten sich "bis etwa zum 40. Lebensjahr (...) unbedingt als Maler" fühlte, ist aber auch sein literarisches Schaffen nicht gering zu schätzen. Neben seinen Artikeln für die Görlitzer Zeitung beschäftigte er sich ernsthaft schriftstellerisch mit der Theorie des Kupferstichs, schrieb historische Erzählungen und Studien über die Lausitz, ebenso mehrere historische Romane und Theaterstücke. Doch gelang es Wüsten nicht, mit seiner Kunst jemals ausreichend Geld zu verdienen. In einer Zeit, in der es für Künstler "besser" gewesen wäre, Wartburgbilder zu malen, hatte sich Wüsten für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus entschlossen. Er trat 1932 in die KPD ein und leitete bis 1934 die nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten illegale KPD-Ortsgruppe Görlitz. Als es für ihn in Görlitz 1934 zu gefährlich wurde, floh er nach Prag und beteiligte sich von dort aus am Widerstand. Seine Bilder, die in der Schärfe an Grosz erinnern, und auch seine den Nationalsozialismus demaskierenden Texte wurden in Prag unter dem Pseudonym Peter Nikl unter anderem in der Zeitschrift "Simpl" veröffentlicht und auch in Deutschland verbreitet. 1938 war auch Prag für Wüsten zu gefährlich geworden, und er floh nach Paris. Vergeblich versuchte er von dort aus nach England zu gelangen, wohin seine Frau Dorothea emigriert war. An Tuberkulose erkrankt, musste Wüsten ein Krankenhaus aufsuchen und wurde dort 1941, vom Krankenbett weg, von der Gestapo verhaftet und nach Deutschland gebracht. In einem Volksgerichtshofprozess verurteilte man Wüsten 1942 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu 15 Jahren Zuchthaus. Am 26. April 1943 ist der Künstler, nur 46jährig, an offener Tuberkulose im Zuchthaus Brandenburg-Görden gestorben. Seine Arbeiten, von den Nazis verfemt, schienen nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen zu sein, aber wie durch ein Wunder hatten Freunde Wüstens in Frankreich Werke des Künstlers gerettet und übergaben diese seiner Frau, die aus englischer Emigration nach Deutschland zurückgekehrt war. Quelle: MDR 19.06.2002
  • Suche: zur Zeit keine Gesuche
nach Büchern über: 

Aktuelle Lose: (zu den Details: Losnr. oder Bild anklicken !)

Zur Zeit keine aktuellen Lose!