Künstler von A bis Z:

Ida Kerkovius

Name: Kerkovius
Vorname: Ida
Lebensdaten: Riga 1879 - 1970 Stuttgart
Zu Leben und Werk: 1879 Am 31. August geboren in Riga.
1899 Besuch einer Privatschule in Riga Abschlußdiplom
1903 Studienreisen nach Venedig, Florenz und Rom. Studium bei Adolf Hoelzel in Dachau.
1904-1907 Aufenthalt in Livland.
1908 Wiederaufnahme des Malstudiums, zunächst in Berlin die Adolf Mayer, dann bei Hoelzel in Stuttgart als Meisterschülerin
seit 1911 selbstständig.
1920-1923 3 Wintersemester am Bauhaus in Weimar. Begegnung mit Kandinsky und Klee. Erlernen der Weberei.
1930 Aufenthalt in Ascona.
1934-1939 Studienreisen nach Frankreich, Belgien, Norwegen, Bulgarien, und Italien dazwischen Besuche in der Heimat.
1939 Rücksiedlung der Familie nach Deutschland, seitdem in Stuttgart.
nach 1933 Ausstellungsverbot als "entartet". 1944 Zerstörung des Stuttgarter Ateliers in der Urbanstraße durch Bombenangriffe.
1950 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes
zwischen 1950 und 1965 häufige Studienreisen z.B.:
1952 und 1954 Ischia, 1954 Bretagne, 1956 Südfrankreich,
1965 Aufenthalt am Gardasee.
1954 Verleihung des Bundesverdienstkreuz 1. Klasse Verleihung des Staatspreises anläßlich der Ersten Jahresschau des Baden-Würtembergischen Handwerks, Freiburg i.Br., veranstaltet vom Landesgewerbemuseum in Stuttgart.
1955 Erster Preis der Ausstellung "Ischia im Bild deutscher Maler", Heidelberger Kunstverein, veranstaltet von Prof. G. Hartlaub und der Dante-Gesellschaft Rom.
1958 Verleih des Professortitels
1962 Ehrenmitglied der Staatlichen Akademie der bildenden Künste, Stuttgart.
1963 Ehrenvorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes.
1970 Am 8. Juni gestorben in Stuttgart.


Ida Kerkovius wurde am 31.August 1879 als viertes Kind einer ursprünglichen Patrizierfamilie in Riga geboren. Sie verlebte mit zehn Geschwistern, mit Vettern und Basen ihre Kindheit auf dem elterlichen Gut, das vier Stunden von Riga entfernt lag. An diese Zeit erinnern ihre Bilder "Winter in Saadse" oder "Storchennest". Ein Jugendparadies war dieses lettische "Rittergut" gewesen, mit einem reichen gesellschaftlichem Leben. Aber Ida hat es trotzdem verlassen. Zuerst wurde das von den Eltern noch begrüßt; eine musische Ausbildung gehörte damals zur Erziehung junger Mädchen aus "guter" Familie, aber später, als die junge Frau ihren Entschluß, als Malerin leben zu wollen, endgültig durchsetzte, brach der Konflikt aus.

In einem Interview zu ihren fünfundachtzigsten Geburtstag sagte sie: "Die Malerei war für mich ein und alles. In der Jugend hat man mit Liebesgeschichten zu tun gehabt. Ich wa froh, als das vorüber war. Jetzt konnte ich mich ganz auf meine Kunst konzentrieren. Ich muß allein sein. Ich glaube, ich habe meine Leben richtig gestaltet."
Aus ihren Bildern strahlt eine heitere Gläubigkeit, eine Farbigkeit, die Kontraste und Wiedersprüche verbindet.

Sie begann mit 18 Jahren in ihrer Heimatstadt in Riga mit der Malerei. Schon als Kind wollte sie malen. Zunächst besuchte sie ein Privatmalschule (1899). Dort wurden Kopfstudien nach Modellen in Schwarzweiß gezeichnet. Sie absolvierte die Schule mit Diplom, worauf sie berechtigt war, an höheren Schulen zu Unterrichten. Ihr Vater wollte, daß sie Porträtmalerin in Riga werde, um sie dort zu halten, sie wollte aber weiter von Zuhause weg, um mehr zu erleben. Beeindruckt durch ihre Reise nach Italien im Jahre 1903 (in Begleitung eines Onkels) durch die Atmosphäre der großen Kunststätten, die klassischen Meisterwerke, die sie in Venedig, Rom und Florenz kennen gelernt hatte, gab ihr die Kraft und Selbstsicherheit, ihrem Vater in einem offenbar überzeugenden Brief darzulegen, daß es für sie nunmehr mit der Malerei Ernst werden müsse. Sie bat ihn um die Erlaubnis, im Ausland zu studieren. Der Vater war einverstanden. Warum auch nicht? Sie sollte ruhig die große Welt kennenlernen. Das Leben würde sie dann schon auf die rechte Bahn bringen.

1903) Beeindruckt von den Werken einer Hoelzelschülerin, schrieb sie während einer Italienreise eine Bewerbung nach Dachau zu dessen Schule, und wurde vom ihm angenommen. Dort blieb sie statt wie geplant 3 Monate, 5 Monate und kehrte dann in ihre Heimat zurück. Ihre Handschrift hatte ihm gefallen, und so wurde sie von dem wählerischen Meister akzeptiert. Die Malerin beschrieb später ihren Unterricht so: "Die Lehre, die mich tief beeindruckte, vollzog sich in Dachau einerseits vor der Natur in der Landschaft hinaus und andererseits im Atelier. Hoelzel ging mit seinen Schülern in die Landschaft hinaus und lehrte sie sehen. Die Landschaft in Dachau enthielt schöne Baumgruppen; es galt sie zunächst zusammenfassend als Flächenformen zu sehen, die dreidimensionale Natur auf die zweidimensionale Bildfläche zu übertragen. Um das flächige Sehen zu erleichtern, mußten die Schüler sich schwarze Augengläser anschaffen. Erst nachdem die Flächenformen auf die Bildebene bildhaft verteilt waren, durften man sie plastisch in Helldunkel gestalten ... in dem Sinne wie im Bild die Ausdrucksmittel der Linie, der Fläche , des Helldunkels und der Farbe anzuwenden sind, wurden Übungen gemacht. Die Beherrschung dieser Ausdrucksmittel erleichtert das Bildliche Sehen und die Anwendung vor der Natur, sie gab die Fähigkeit, diese bildhaft zu sehen und zu gestalten." Es gibt bei ihr immer ein Nebeneinander von verschiedenen Stilen und Bildgattungen. Ihr Biograph und Freund Kurt Leonhard sieht keine Möglichkeit, ein Nacheinander ihrer Entwicklung zu konstruieren. Leider sind frühe Arbeiten fast keine, Arbeiten aus der mittleren Zeit nur wenige erhalten. 1944 wurde ihr Atelier in der Urbanstraße 53 durch Bomben zerstört, viele ihrer Werke sind dadurch verloren.

1906 wurde Hoelzel an die Stuttgarter Akademie berufen. Sie folgte ihm und bekam ein Meisterschüler-Atelier zur weiteren Fortbildung. Als Assistentin von Hoelzel übernahm sie oft die Aufgab, die Kontakte zu den Schülern herzustellen und neu eintretende in die Bildlehre des Meisters einzuführen. Da es unter diesen Schülern so eigenwillige Begabungen gab wie Hermann Stenner, Otto Meyer-Amden, Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Johannes Itten, so konnte es nicht ausbleiben, daß die lebendige Wirkung gegenseitiger Anregung auch in ihrer eigenen Arbeit fruchtbar wurde und ihr neue Impulse vermittelte. Die Malerin, die die Teilnahme am öffentlichen Kunstbetrieb scheut, war seit Beginn ihrer Stuttgarter Zeit Mitglied im ältesten Stuttgarter Malerinnenverein, dem Württembergischen Malerinnenvereinin der Eugenstraße 17.

Seit 1920 hat Ida Kerkovius dann in der Urbanstraße 53 gearbeitet und gewohnt - mit einem weiten Ausblick auf die sich um den Bahnhof herum gruppierenden Stadt, deren Ausläufer die grünen Hänge in Richtung Killesberg hinaufklettern. Von dort aus zog sie drei Winter über ins Bauhaus nach Weimar. Sie trat als Lehrling in die Webereiklasse ein und hatte schon mit ihrem ersten vier Quadratmeter großen Teppich einen erstaunlichen Erfolg bei Künstlerkollegen. Sie ist dort Schülerinn desselben Mannes, der noch wenige Jahre zuvor in Stuttgart ihr Schüler gewesen war Die meisten Anregungen bekam sie aber von Paul Klee, der damals die Leitung der Glasmalwerkstatt inne hatte. Oskar Schlemmer und Johannes Itten, die in jener Zeit ebenfalls am Bauhaus arbeiteten, waren ihr schon von Stuttgart her verbunden. Von 1923 bis zum Tode Hoelzels 1934 lebte sie dann fast ausnahmslos in Stuttgart. 1930 hatte sie ihre erste große Einzelausstellung im Stuttgarter Kunstverein; 1933 malte sie ihr erstes gegenstandsfreies Ölbild. Phantasiebilder verstärkten diese Entwicklung.

Nach der Machtergreifung allerdings nimmt ihre Erfolgslinie einen Verlauf ins Ungewisse: Sie gehört zu den sogenannten Entarteten Künstlern und darf nichtmehr ausstellen. Sie geht auf Reisen, besucht ihre Familie und flieht mit ihre beim Einmarsch der Russen.

Bei Kriegsbeginn ist sie wider in Stuttgart, muß nach Zerstörung ihres Ateliers sehen, wie sie mit den Trümmern ihres Werkes zurechtkommt. Sie kann in ein Behelfsheim nach Degerloch ziehen, das ihr ein Stuttgarter Mäzen und Freund zur Verfügung stellt. Hier entstand dann zehn Jahre später ihr eigenes Haus. Nach der Isolation während der Nazizeit und der Nachkreigsjahre findet die überaus Bescheidene, die ihr Leben fast ausschließlich ihrer Arbeit , ihrer Kunst widmet, im Nachkriegs-Stuttgart einen kleinen Kreis von Kennern, die sie unterstützen. Kleine Galerien stellen sie aus, ihre erste Nachkriegsausstellung ist 1948 im Kunstverein.

Reisen 1945-49: Ausflüge übers Wochenende auf die Alb - nach Gächingen zu Familie Haberer. 1950 Die erste Reise führte nach Anhausen im Lautertal. Dort hatte sie in einem Haus, das einer Künstlerinnengruppe gehörte, für eine Woche 3 Zimmer mit Küche zur Verfügung gestellt bekommen.

1952, im Juni fuhr sie mit Gertrud Tonne + Familie (einer ihrer Schülerinnen) zusammen in die Bretagne an die dortige Küste. Auf der Hinreise allerdings durch Paris wo sie zu einer Vernissage eingeladen war. 1953 Reise nach Südfrankreich mit Gertrud Tonne. 1954 bekam sie als Preis für ein Ischia-Bild eine vierwöchige Reise nach S. Angelo auf Ischia. 1960 unternahmen sie auch gemeinsam eine Reise, nach Holland. Hinterher malte I.K. das Bild "Amsterdamm".

1950 wird sie in den Deutschen Künstlerinnenbund aufgenommen. Es folgt eine offizielle Ehrung: 1954 das Bundesverdienstkreuz, der Baden-Würtembergische Staatspreis, 1958 der Professorentitel, 1959 die Jubiläumsausstellung im Kunstverein zum 80 sten Geburtstag, viele Ausstellungen in der ganzen Welt. Und auch im Bereich "Kunst am Bau" wurde sie nicht vergessen: Die große Glaswand im Festraum des Stuttgarter Rathauses (erbaut 1955/56) ist von ihr entworfen, von der Glaskunstfirma Saile errichtet worden. Sie war sehr stolz den Wettbewerb um die Stuttgarter Rathausfenster gewonnen zu haben. Sie schreibt am 20.2.1956 an ihren Bruder Leo: "Ich als einzige Frau neben fünf Malern habe den Sieg davongetragen". Die vorherrschenden Farben der abstrakten, in Flächen und Linien aufgeteilten Komposition sind Blau und Rot in vielen verschiedenen Tönen. Doch der Lebenslauf dieser Künstlerin, der aus der Eindeutigkeit ihrer künstlerischen Schöpfungskraft heraus so konsequent und bruchlos gelungen schient, wird noch einmal durch ein Verbrechen verzerrt. 1957 wird die siebenundsiebzigjährige in ihrem Haus in Degerloch von einem vertrauensseligen Eingelassenen überfallen, beraubt und im Keller gefesselt zurückgelassen. Freunde finden sie. Aber auch davon kann sie sich noch einmal erholen, obwohl dieser Überfall sie innerlich fast ebensoschwer getroffen hat wie der Bombenangriff 1944.

Bis zu ihrem Tod am 8.Juni 1970 bleibt sie trotz aller Einbrüche der realen Welt, die auch in ihrer heiteren Welt des Schaffens und Erschaffens Spuren hinterlassen, die lebhaft schauende, gütig-liebenswürdige Frau mit dem kaum ergrauten Bubikopf, die noch immer nicht müde und begeisterungsunfähig ist. Trotz eines längeren Krankenhausaufenthalts kann sie 1969 zu ihrem neunzigsten Geburtstag noch einmal eine große Retrospektive ihres Werkes im Kunstverein miterleben.

( Quellen: Kurt Leonhard "Ida Kerkovius" Leben und Werke, Verlag M. DuMont Schauberg Köln und Maja Riepel-Schmidt "Wider das verkochte und verbügelte Leben" Silberburg Verlag 1990 )
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