Künstler von A bis Z:

Friederich Werthmann

Name: Werthmann
Vorname: Friederich
Lebensdaten: (*1927)
Zu Leben und Werk: http://www.werthmann-skulptur.de

Das Werk des Düsseldorfer Bildhauers Friederich Werthmann nimmt einen besonderen Platz in der Kunst der letzten 50 Jahre ein, gerade weil es keiner Richtung wirklich zugeschlagen werden kann. Sein Werk wird zwar gelegentlich mit dem Informell in Verbindung gebracht, dem widerspricht aber, daß die Skulpturen Werthmanns eben nicht dem Zufall, sondern einem klaren Konzept folgen.

Seine seit 1957 ausschließlich aus Stahl gestalteten Skulpturen verwandeln die Schwere und die Statik des Materials und der stets geometrischen Formen - Kugel, Kubus, Zylinder usw. - in Dynamik. So ist es in der ersten Werkgruppe der Jahre 1957 bis 75 etwa die Dynamik strukturierter und kontinuierlicher Bewegtheit, wo sphärische Ballungen Form und Raum umschreiben. In dieser Phase steht ganz die Schweißtechnik im Vordergrund, das Verbinden oft kleinteiliger Elemente zu in sich oder oberflächlich vibrierender bzw. sich durchdringender Formen.

Die zweite Werkgruppe ab 1975 betont die Dynamik der Form, die von ihr ausgehende Kraft, die nach außen drängt und die eigenen Grenzen, die Umhüllung sprengt. Dies wird im wahrsten Sinne des Wortes erreicht, durch Gestaltung mit der Kraft explodierenden Dynamits, das, je nach Dosierung, den Stahl formt oder aufbricht. Die harte Form wird durch den Druck der Explosion scheinbar aufgeweicht, und die Skulpturen erhalten trotz ihrer tatsächlichen Schwere eine faszinierende Leichtigkeit, gesteigert noch durch den seidigen Glanz des polierten Chrom-Nickel-Stahls.

Die dritte Werkgruppe ab 1987 betont die Dynamik des Raumes, der aufgenommen und strukturiert wird durch Bewegungslinien - Stahlstangen weisen die Richtung. Der Wechsel der Raumbeschreibung vollzieht sich in geschweißten, knotenartigen Verdickungen. Die «Parallelogramme» beschreiben ausschnitthaft offene, nicht statische Räume, entsprechend beginnen die Skulpturen bei der leisesten Berührung zu vibrieren.

Diese beschriebenen Beobachtungen ziehen sich - mit unterschiedlicher Gewichtung - durch das Gesamtwerk, wie ferner das Prinzip der Rhythmisierung und der Variation als Reihung oder Gruppierung - sowohl innerhalb einzelner Arbeiten wie auch als Ensemble aus einer Vielzahl von Objekten.

Während in der tradierten Plastik in der Regel die der Natur entlehnten Formen zur Kunst führen, so erfährt bei Werthmann die statische geometrische Form und das nüchterne, industriell bestimmte Material durch die Bearbeitung einen Wandlungsprozeß, der über die Kunst zum Natürlichen führt, wie etwa in der ausgestellten «Sechser-Reihe» von 1985, in der die verwendeten Stahlröhren zu naturnahen Formen transformierten.

Die Pinselzeichnungen Werthmanns sind keine die Plastiken vorbereitende Bildhauer-Zeichnungen, dennoch sind sie in ihrer fast explosiven Gestik und dem Aufeinandertreffen und dem Innehalten von Energie und Bewegung eng mit dem Gestaltungskonzept der Skulpturen verbunden.

Noch deutlicher wird der Zusammenhang in den «Pyrogrammen». Sie folgen dem Prinzip der Radierung, wobei das Material - die Metallplatte - fast bildhauerisch bearbeitet wird: mit Feuer geformt, geschweißt, geschnitten. Im Abzug durch die Radierpresse bekommen die Druckformen eine dem Stahl sehr ähnliche Oberfläche.

Hartmut Witte

«Kunst und Konzeption stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie Dichtung und Grammatik. Jeder meiner Arbeiten liegt ein Konzept zugrunde. Innerhalb dieses Konzepts ist aber etwas möglich, das mit dem Segeln vergleichbar ist: man nimmt den Wind an, wie er kommt, Seiten oder Gegenwind; und trotzdem erreicht man sein Ziel, obwohl einige Schläge eine andere Richtung haben. Es wird also ein Zu-Fall akzeptiert, ohne das Ziel zu verfehlen ? Der Stahl gibt mir die Möglichkeit, durch besonders große Auflösungen und Verdichtungen Bewegungsformen zu gestalten, bei denen die Schwere des Materials aufgehoben und zugleich die Statik in Dynamik umgewandelt wird ? Ähnlich wie in der Musik beruht auch bei mir das Gestaltungsprinzip auf Reihungen im Raum, Rhythmen, Strukturen, Schichtungen.»

1927 geboren in Barmen

1948-52 Figurative Plastiken in Holz und Stein

1952-56 Abstrakte Plastiken in Holz und Stein

1956-57 Diastrukturen in armiertem Beton

seit 1957 Arbeiten in Stahl // 1959 Erste Sphären, Kontinua

1965 Erste vom Wind bewegte Arbeiten

1975 Erste mit Dynamit gestaltete Arbeiten

seit 1977 Sinus-Cosinus-Skulpturen

1987 Erste Parallelogramme

Friederich Werthmann ist Mitglied der "Societa Pittori Scultori Architetti Svizzeri" SPSAS

Einzelausstellungen seit 1956 in Lausanne, Bonn, Wuppertal, Mailand, Düsseldorf, Basel, Zürich, Freiburg i.Br., Duisburg, Münster, Leverkusen, Lyon, London, Antwerpen, Essen, Hagen, Lippstadt, Emmerich, Wiesbaden, Wulfen, Locarno, Campione d'Italia, Schwelm, Bad Honnef, Marl, Witten u.a.

Zahlreiche Arbeiten Friederich Werthmanns finden sich in Museen und Sammlungen sowie als Großplastiken und Brunnenanlagen in vielen Städten. Kataloge:

Güse, Heyne: "Werkverzeichnis der Skulpturen 1957-1977", Wilhelm-Lehmbruck-Museum 1978

"Skulpturen", Stadtmuseum Düsseldorf 1982

Henze: "Plastik", Katalog 42 der Galleria Henze, Campione d'Italia 1988

"Skulpturen und Tuschen", Kunstverein Schwelm 1990

"Spazi Nodali - Nodi Spaziali, Galleria SPSAS, Locarno 1995

Heyne, Witte: "Friederich Werthmann - Skulpturen 1958-2002", Werkverzeichnis, Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2003

Witte: "Friederich Werthmann - Frühe Arbeiten", Märkisches Museum, Witten 2006

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Vorschau-Bild Werthmann, Friederich
Friederich Werthmann - Frühe Arbeiten 1957-1962 Märkisches Museum Witten
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Friederich Werthmann - Skulpturen 1957 . 2002 (Werkverzeichnis)
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Vorschau-Bild Werthmann, Friederich
Hartmut Witte : Friederich Werthmann - Druckarchiv, Werkverzeichnis
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Vorschau-Bild Werthmann, Friederich
Pyrogramm links, 1976, WVZ 86a
Ausrufpreis/Gebot: 250,00 ¤
Losnr.: 92032

Vorschau-Bild Werthmann, Friederich
Pyrogramm rechts, 1976, WVZ 86b
Ausrufpreis/Gebot: 250,00 ¤
Losnr.: 92035